Invisible Connections

Keiji Uematsu hätte in Unternehmen viel zu tun

Unsichtbare Verbindungen werden sichtbar

Keiji_Uematsu_Stone

Arts

Verschiedene Künstler unternahmen in den 1960er- und 70er-Jahren seltsame Dinge, die nicht in die althergebrachten Schubladen der Bildenden Kunst passten. Grenzüberschreitungen waren angesagt, etwa zwischen performativer Kunst (Happening), Skulptur, Zeichnung und Fotografie. Land Art kann als eine Form der Zeichnung oder auch als Plastik verstanden werden. Künstler wie Franz-Erhard Walther bezogen Menschen in ihre Arbeiten ein. Walther schuf Textilien, in die sich seine Akteure hineinbegaben und sich im Raum aufstellten. Mit Kunst den Raum zu gestalten, das ist ein zentrales Anliegen der Skulptur. Naturgemäß sind Skulpturen mit lebenden Elementen flüchtig und vergänglich, deshalb ist all diese Kunst auf die Fotografie (und mitunter auf das Video) angewiesen, wenn es überliefert werden soll. Solche Installationsfotos wurden oft selbst Kunstwerke, weil sie entweder bereits mit Kunstanspruch geschossen wurden, oder durch ihre Präsentation den Status der reinen Dokumentation hinter sich ließen.

Als Keiji Uematsu nach seinem Kunststudium in seiner Heimatstadt Kobe nach Deutschland kam und in Düsseldorf landete, interessierte ihn bald der hier beschriebene Ansatz. In einer kleinen Ausstellung im Künstlerverein Malkasten in Düsseldorf ist noch einige Wochen Uematsus Kunst zu besichtigen (Finissage am Dienstag, 12. April 2016 um 19 Uhr – Ausstellung im Künstlerverein Malkasten Düsseldorf ).

Uematsu inszeniert sich in den ausgestellten Fotos selbst. Mal ist er ganzfigurig im Bild, mal ragt nur ein Arm ins Bild oder nur sein Schatten. Es gibt Einzelfotos, aber in den Vordergrund der Wahrnehmung schieben sich Bilderserien. Zu sehen gibt es keine spektakulären Aktionen. Halsbrecherisch mutet allenfalls an, wie der Künstler mit seinen Füßen unter der Decke klebt – aber auch diesen Stunt meistert er gefahrlos („With a Tree – Touch of Spiral“, Farbfoto, 2003). Häufiger finden sich simple Eingriffe in die Szenerie. In einer dreiteiligen Sequenz liegt zuoberst ein Stein auf einer Wiese, in der Mitte berührt ihn der Schatten eines ausgestreckten Zeigefingers, und zuunterst ist zusätzlich auch der schattengebende Arm im Bild. Kleine Veränderungen, aber sie geben neue Perspektiven: Aus dem isolierten Ding auf der Wiese, beinahe abstrakt, wird ein Angelpunkt. Ein Größenmaßstab entsteht und der Raum wird erfahrbar. Und der Schattenfinger scheint an dem Stein wie an einem Schwerpunkt zu kleben, ein imaginäres Kraftfeld entsteht durch das Auftauchen des Armes. Unsichtbare Verbindungen werden sichtbar.

Auch in weiteren Sequenzen lotet Uematsu den Raum aus. Als simples Versuchsinstrument dient ihm ein an eine Schnur gebundener Stein (Serie „Stone/ Rope/ Man“, 1974). Mit fototechnischer Hilfe (kurze Belichtungszeit) zeichnet der Künstler Linien in seine Umgebung.

 

In einem Museum ( s3.amazonaws.com/contemporaryartgroup/wp-content/uploads/2014/05/KU.8798.jpg ) erkundet Uematsu nur mithilfe zweier Kanthölzer den Durchgang zu einem Saal; der Mensch ist zu klein für diese Passage, gleichwohl versucht er, sich in ihr zu behaupten und sie zu dehnen. Und hier wird es dann doch noch artistisch, wenn sich Uematsu zwischen den Türrahmen klemmt.Keiji_Uematsu_Durchgang

Meet

Keiji Uematsu hätte in Unternehmen viel zu tun.

Business

Für Keiji Uematsu gäbe es viel zu tun, würde er unsichtbare Verbindungen sichtbar machen, die zwischen handelnden Personen als „imaginäres Kraftfeld“ wirken. Voraussetzung, diese zu erkennen, ist ausreichendes Kontextwissen.

Drei Beispiele

  1. Sitzordnung in der Kantine

Wer hat das nicht schon erlebt? Die Platzsuche in der Kantine kann zu einem Lehrstück werden. Mit gefülltem Tablett balanciert ein Besucher oder Neuling entlang der gefüllten Tische. Ohne Kenntnis der Binnenstrukturen setzt er sich an einen freien Platz. Ob dieser Platz eigentlich schon für jemand anderes reserviert ist, unbesetzt bleiben soll oder aus einem anderen Grund tabu ist, wird schnell an der Reaktion der schon platzierten Gäste deutlich. Um im Vorfeld zu erkennen, ob es sich um eine „geschlossene“ Gruppe handelt, die sich zum Mittagessen verabredet hat, ist Kontextwissen notwendig. Nur so erschließt sich, wer zu wem dazu gehört.

  1. Systemskizze

Im Unterschied zum Organigramm, das die formale Struktur einer Organisation darstellt, bildet die Systemskizze die informelle Struktur ab.

Es ist im Rahmen von Transferberatungen oder Trainings immer wieder spannend, Momentaufnahmen der erlebten Unternehmensrealität zu visualisieren, um verborgenen Zusammenhängen auf die Spur zu kommen. So, wie Keiji Uematsu unsichtbare Verbindungen sichtbar macht, werden auch hier Zusammenhänge transparent, die sich im Alltagerleben oder durch das Studium eines Organigramms nicht erschließen.

  1. Meetings

Kommunikation fußt auf ungeschriebenen Gesetzen. Viele implizite Regeln liegen der sich alltäglich wiederholenden Kommunikation zugrunde. Dieses Regelsystem ist gut in institutionalisierten Besprechungen zu beobachten: Wer wann das Wort ergreift, wer sich wo und neben wem platziert, wer angesehen wird, wer keines Blickes gewürdigt wird – all das kann als Hinweissystem dechiffriert werden für unausgesprochene Regeln. Es lassen sich Rückschlüsse ziehen auf die Hierarchie, Verhaltensregeln und -tabus, auf das, was in diesem System belohnt und was bestraft wird. Mit systemisch geschultem Blick wird es in Meetings so schnell nicht langweilig. Es gibt viele unsichtbare Verbindungen zu entdecken.

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